Wichtige Kriterien für ergonomische Bürostühle, Teil 1: Der Stuhl

Christof Ruiz-Lutter | Experte für gesundes Sitzen

20. Februar 2021

Header Ratgeber Besondere Kriterien Bürostuhl Teil 1

Auf einen Bürostuhl setzen wir uns. Mehr ist da nicht dahinter. Falsch! Gerade ergonomische Bürostühle sind kleine Wunderwerke der Technik. Im ersten Teil der Reihe erfahren Sie, was die wichtigsten Kriterien für die Bewertung sind und wie Sie den für Sie besten ergonomischen Bürostuhl aussuchen.

Was macht einen Bürostuhl ergonomisch?

Wenn Sie Ihre Freunde fragen, was einen Bürostuhl ergonomisch macht, werden Antworten auftauchen wie „ist bequem“ oder „passt sich an meinen Körper an“. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die volle Definition lautet: die optimale wechselseitige Anpassung zwischen dem Menschen und seinen Arbeitsbedingungen. In klaren Worten: Sie haben die Kontrolle darüber, wie der Bürostuhl sitzt und passen diesen je nach Wunsch und Situation gesondert an.

Das ist heutzutage wichtiger denn je: Es leiden noch immer zu viele Menschen an Rückenbeschwerden. Eine Hauptursache ist die falsche Sitzhaltung. Mit dem falschen Sitzen verbauen wir uns schmerzend unsere Gesundheit. Das lässt sich leicht vermeiden, denn richtig sitzen ist schnell gelernt.

Doch selbst die beste Sitzhaltung ändert nichts am Umstand, dass der Bürostuhl darüber entscheidet, wie bequem und gesund wir sitzen. Kein Stuhl gleicht dem anderen und jeder Bürostuhl muss Ihren Wünschen entsprechen.

Wichtigste Kriterien für den besten Bürostuhl

Damit Sie sich bei Ihrer Entscheidung leichter tun, haben wir für Sie die wichtigsten Kriterien für ergonomische Bürostühle zusammengestellt.

Diese beziehen sich auf die Bewegungsmechanik, die Sitzfläche, die Rückenlehne und Lenden-Unterstützung, die Armauflagen und das Stuhlgestell sowie die Rollen.

Die Bewegungsmechanik

Zunächst haben ergonomische Bürostühle einzigartige Bewegungsmechaniken, mit denen Sie nicht nur Ihren Körper stützen, sondern auch trainieren können. Die Mechaniken erlauben darüber hinaus eine körpergerechte Anpassung an alle Bedingungen am Arbeitsplatz. Das sind die häufigsten Bewegungsmechaniken bei ergonomischen Stühlen:

  • Synchronmechanik
  • Asynchronmechanik
  • 3D-Gelenk-Mechanik

Bei der Synchronmechanik gilt: Sitz und Rückenlehne sind nicht starr, sondern flexibel. Sie passen sich dem Bewegungsimpuls an, den Ihr Körper vorgibt. Bewegen Sie sich etwa nach hinten, folgen der Sitz und die Rückenlehne dieser Bewegung und geben Ihnen gleichzeitig Halt. Dadurch wird Ihr Körper bei jeder Bewegung effektiv unterstützt.

Die Asynchronmechanik denkt die Idee der Anpassung weiter. Der Sitz und die Rückenlehne lassen sich mithilfe dieser Mechanik unabhängig voneinander anpassen, was die Ergonomie verbessert. Allerdings müssen Sie hier mehr Zeit einplanen, um Ihre ideale Einstellung zu finden.

Für dynamisches Sitzen ist die 3D-Gelenk-Mechanik unerlässlich: Mit dieser reagiert die Sitzfläche auf Kipp- und Neig-Bewegungen und fördert insbesondere die Stimulation des unteren Rückens. Durch diese zusätzliche Anpassung steuert Ihr Körper automatisch in einem Balanceakt auf eine aufrechte und somit rückenschonende Position zu.

Achten Sie daher beim Kauf Ihres ergonomischen Bürostuhls auf die richtige Bewegungsmechanik.

Sitzfläche

Im ersten Moment entscheidet oft die Sitzfläche darüber, wie bequem wir einen Bürostuhl empfinden. Ist die Polsterung zu hart? Zu weich? Oder genau richtig für meinen Körper? Diese Fragen sind wichtig, decken aber nicht andere wichtige Kriterien ab.

Wichtig ist zum Beispiel, ob die Sitzfläche höhenverstellbar ist. Ihre Beine sollten für die ideale dauerhafte Sitzposition annähernd im 90° Winkel sein. Über die Höhe der Sitzfläche stellen Sie das sicher.

Die Härte der Federung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Auch hier gilt: nicht zu hart und nicht zu weich. Ihr Körper soll einem spürbaren Gegendruck ausgesetzt sein, damit Sie dauerhaft aufrecht sitzen und sich keine Verspannung aufbaut.

Die Sitzfläche ist ebenfalls einer der Hauptelemente einer 3D-Gelenk-Mechanik. Diese Mechanik ist zwar nicht Pflicht für die Ergonomie, erfüllt aber eine der wichtigsten Kriterien für Bürostühle: Es ermöglicht das aktive und dynamische Sitzen, was unserer Natur am nächsten entspricht.

Rückenlehne & Lenden-Unterstützung

Achten Sie bei der Rückenlehne auf die anatomische Form: Die Lehne muss Ihrer Wirbelsäule entsprechen. Das tut sie in der Regel, indem sie rückengerecht wie der Buchstabe S geformt ist. Die Rückenlehne sollte dabei bis zu Ihren Schulterblättern reichen.

Die Einstellbarkeit der Rückenlehne ist entscheidend für einen ergonomischen Bürostuhl. Sie entscheiden darüber, wie viel Gegendruck aufgebaut wird und wie weit Sie sich nach hinten lehnen können. Ideal ist eine aufrechte Sitzhaltung, da so die Rückenmuskeln ausreichend stimuliert und durchblutet werden.

Ein besonderes Kriterium für die Rückenlehne eines Bürostuhls ist die vorhandene Lenden-Unterstützung. Diese wird auch Lordosenstütze genannt. Diese Stütze sollte höhenverstellbar sein und genau dort platziert sein, wo sich Ihr Lendenwirbel befindet. Durch diese Stütze wird dieser Bereich nicht nur entlastet, sondern auch stimuliert: Dadurch entsteht ein Reiz, der uns daran erinnert, aufrecht zu sitzen.

Armlehnen

Armlehnen machen das Leben leichter. Sie dienen dazu, unsere Arme auf Tischhöhe abzulegen und diese zu stützen. Dadurch vermeiden wir eine verkrampfte Sitzhaltung, da wir bei der Arbeit am PC unsere Hände und Arme auflegen und dafür die bestmögliche Sitzposition suchen.

Die Armlehnen sollten verstellbar sein: für die ideale Ergonomie sowohl in der Höhe als auch in der Breite, in der Tiefe und auch im Winkel. Höhenverstellbarkeit ist hier Pflicht: Damit Ihre Arme richtig aufliegen, müssen sie einen 90° Winkel aufweisen. So haben Sie eine entspannte Armhaltung, was zu einer richtigen Sitzhaltung dazugehört. Gerade wenn der Tisch selbst nicht höhenverstellbar ist, muss der ergonomische Bürostuhl dieses Defizit ausgleichen. Wenn Sie die Armlehnen auch in die Breite verschieben, diese nach vorne oder nach hinten schieben oder sogar den Neigungswinkel anpassen können, dann werden an dieser Stelle alle Kriterien an einen ergonomischen Bürostuhl erfüllt.

Die Armlehnen können auch gepolstert sein, wenn das handelsübliche Plastik nicht gut auf der Haut aufliegt. Idealerweise können Sie die Armlehnen selbst austauschen und nachrüsten. Damit erhöht sich die Langlebigkeit und die Passgenauigkeit des Bürostuhls immens.

Stuhlgestell & Rollen

Ein guter ergonomischer Bürostuhl bewegt nicht nur Sie, sondern auch sich selbst. Achten Sie darauf, dass dieser mit einem 5-Stern-Fuß ausgestattet ist. Damit erzielt der Stuhl eine gute Standfestigkeit und Balance.

Die Bewegung des Bürostuhls wird durch die Rollen sichergestellt. Damit der Stuhl nicht wegrollt, müssen die Rollen lastabhängig bremsen. Sitzt niemand auf dem Stuhl, wirken die Bremsen. Während man sitzt, werden die Bremsen gelöst, wodurch der Bürostuhl ohne starken Widerstand bewegen werden kann.

Wichtig ist auch, dass die Rollen austauschbar sind. Das ist nicht nur dann hilfreich, wenn die Rollen kaputt gehen, sondern auch, wenn Sie die Rollen auf den jeweiligen Bodenbelag ausrichten wollen. Passen die Rollen nicht zum Boden, können Kratzschäden entstehen. Harte Böden benötigen weiche Rollen und für weiche Bodenbeläge wie Teppiche reichen die standardmäßig verbauten Rollen.

Die wichtigsten Kriterien für den ergonomischen Stuhl: ein Fazit

Die Anatomie eines ergonomischen Bürostuhls ist komplex: Von der Kopfstütze bis zu den Rollen ist alles darauf ausgerichtet, Ihnen das Sitzen zu erleichtern. Wichtig für einen solchen Bürostuhl ist die Anpassbarkeit. Ihr Körper ist einzigartig, daher sollten Sie sicherstellen, dass er all Ihren Bedürfnissen entspricht.

Im nächsten Teil der Reihe stellen wir Ihnen vor, wie wichtig der Verwendungszweck und der Preis als Entscheidungskriterien sind.

    Jetzt weiterlesen: